Fraktion UNABHÄNGIGE BÜRGER
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11.08.2020

Insektenschutz in der Landeshauptstadt

Beschlussvorschlag:
Der Oberbürgermeister wird beauftragt,
1. Leitlinien für den Umgang mit Dachbegrünung in Bebauungsplänen für die Landes-hauptstadt zu erarbeiten. Die Leitlinien sind der Stadtvertretung zur Dezembersitzung 2020 vorzulegen.
2. zu prüfen, auf welchen vorhandenen städtischen Liegenschaften eine Dachbegrünung möglich ist. In Zusammenarbeit mit der Nahverkehr Schwerin GmbH soll u.a. auch eine Prüfung hinsichtlich der Buswartehäuschen bzw. –Unterstände erfolgen (vergleichbar in Leipzig). Das Prüfergebnis ist der Stadtvertretung zur Dezembersitzung 2020 vorzulegen.
3. ordnungsrechtliche Regelungen zu erarbeiten und der Stadtvertretung zur Dezembersitzung 2020 zur Beschlussfassung vorzulegen, wonach die Anlage von Vorgärten und anderen Nebenflächen mit ausschließlich unorganischen Gestaltungselementen (sogenannte Schottergärten), mithin ohne Grünbewuchs, in der Landeshauptstadt nicht zulässig sind.
4. illegalen Flächenversiegelungen von Vorgärten (z. B. in der Beethovenstraße) zurückbauen zu lassen.
5. das Bienenprojekt „Eine Insel für die Bienen“ auf der Insel Kaninchenwerder – siehe Anlage 1 und 2 – zu unterstützen und Möglichkeiten der Unterstützung durch die Stadt und/oder städtische Unternehmen zu prüfen.
6. weitere Blühwiesen in der Landeshauptstadt anzulegen oder auszuweisen und mit Hinweistafeln auf den Klimaschutz und die Rolle der Insekten hinzuweisen. Ferner beim Land darauf hinzuwirken, dass Grünflächen im Eigentum des Landes auf dem Territorium der Landeshauptstadt oder zumindest geeignete Teile davon (z. B. Mar-stallhalbinsel) in der Blütezeit von der Mahd ausgenommen werden.

Begründung:
Dachbegrünungen bilden gerade im verdichteten Stadtgebiet einen kleinen, aber durchaus
wichtigen und in der Fachliteratur belegten Beitrag zur Verbesserung der Umwelt. Die Verwaltung schafft deshalb durch die Leitlinien die Voraussetzungen, dass in neuen
Bebauungsplänen Flachdächer und flach geneigte Dächer von Gebäuden in deutlich stärkerem Maße als bisher begrünt werden (vgl. https://e-government.hannover-stadt.de/lhhSIMwebdd.nsf/E2A5038793648241C1257A3F0035F3EF/$FILE/1785-2012_Anlage1.pdf)

Schottergärten bietet für Insekten und Mikroorganismen keine Nahrungsquelle. Zudem bergen Schottergärten weitere umweltrelevante Probleme: Bei Starkregen kann das Regenwasser schlecht versickern, da unter dem Kies häufig eine Kunststoffplane liegt. An heißen Sommertagen dagegen heizt sich der Schotter auf bis zu 70 Grad auf, was sich negativ auf das allgemeine Stadtklima auswirkt. Eine ordnungsrechtliche Regelung soll Abhilfe schaffen.

Erst im Juli 2020 hat der baden-württembergische Landtag eine Änderung des Landesnaturschutzgesetzes beschlossen. Schottergärten auf Privatgrundstücken werden danach verboten. Gartenanlagen sollen insektenfreundlich gestaltet werden und Gartenflächen vorwiegend begrünt werden. Wer bereits eine Steinwüste vor der Haustüre hat, muss diese beseiti-gen oder umgestalten. Die Landeshauptstadt Schwerin könnte durch diesen Beschluss Vorreiter für Mecklenburg-Vorpommern sein.

80% der Insektenpopulation ist in Deutschland mittlerweile vernichtet, darunter fallen auch die Bienen. Die Insel Kaninchenwerder eignet sich hervorragend für den Start eines weltweit einzigartigen Bienen-Projektes, um die Heimische Wildbiene zu erhalten. Die Naturschutz-verwaltung unterstützt grundsätzlich erste Siedlungsversuche auf Kaninchenwerder aus-drücklich, daher sollte das Projekt auch weiter voran getrieben werden. Weitere Schiffer-Trees hängen auf dem Biohof-Gelände Medewege und im Freilichtmuseum Mueß.

Auch Blühwiesen tragen zum Schutz der Insekten bei. Artenreiche Blühwiesen sind überlebenswichtige Biotope für eine Vielzahl von Insekten. Dort finden diese Nektar in Hülle und Fülle und bei rücksichtsvoller Pflege auch Brutrefugien. Von den Insekten wiederum profitieren Vögel, Amphibien, Kleinsäuger, Fische etc..

Dieser Antrag unterstützt insgesamt den Gedanken des Natur- und Umweltschutzes in unserer Landeshauptstadt.

 2020


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