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27.06.2019

UB-Fraktion sieht Unterversorgung bei Pflegeplätzen - Zu wenig Einrichtungen und Angebote für Demenzerkrankte

Die UB-Fraktion hat sich mit einer Anfrage zum Angebot an Pflegeplätzen in der Landeshauptstadt an den Oberbürgermeister gewandt. Oberbürgermeister Dr. Badenschier hat daraufhin mitgeteilt, dass es in der Landeshauptstadt derzeit 14 stationäre Einrichtungen mit insgesamt 1.419 Plätzen gibt; der tatsächliche Bedarf solle bis Anfang zum 1. Quartal 2020 evaluiert werden.
„Schwerin ist nach unserem Eindruck mit Pflegeplätzen unterversorgt. Das gilt grundsätzlich und im Besonderen für Demenzerkrankte. Der Anteil von Demenzerkrankten und weiteren Erkrankungen des Alzheimertyps ist in den letzten 15 Jahren bundesweit kontinuierlich gestiegen, nach Erhebungen des Statistischen Landesamtes M-V um rund 20 Prozent. Dieser Befund ist also nicht neu, sondern kann bei den verantwortlichen Planern in der Stadtverwaltung als bekannt vorausgesetzt werden. Für diesen Personenkreis gibt es in Schwerin allerdings nur eine einzige Einrichtung, die als spezifisches Angebot eine eigene Wohnform für Demenzkrankte anbietet. Das scheint entschieden zu wenig zu sein, auch wenn weitere Pflegeeinrichtungen die integrierte oder segregierte Betreuung von demenzkranken Bewohnern anbieten. Für jüngere demenzerkrankte Pflegebedürftige um die 60 Jahre existiert gar kein geeignetes stationäres Pflegeangebot. Bereits die letzte Pflegesozialplanung der Stadt aus dem Jahr 2015 hatte aufgezeigt, dass auch in Schwerin die Bedarfe zunehmen werden. Der Standpunkt von Oberbürgermeister Badenschier, der „Pflegemarkt" habe sich unter dem Primat der Wirtschaftlichkeit neu geordnet und die kommunalen Steuerungsmöglichkeiten seien begrenzt, ist als Begründung für die Unterversorgung nicht ausreichend und kommt einem Offenbarungseid gleich. Vielmehr besteht aus der staatlichen Daseinsvorsorge dringender Handlungsbedarf, für den wir die Stadtverwaltung planerisch im Verzug sehen. Denn weder die baulichen Einrichtungen und erst recht nicht das qualifizierte Fachpersonal kann man von heute auf morgen aus dem Hut zaubern. Die Fortschreibung der Pflegesozialplanung kommt mit Blick auf bereits seit langem absehbare Bedarfe und deren Befriedigung also deutlich zu spät“, erklärte UB-Fraktionsvorsitzender Silvio Horn. In dem Zusammenhang müsse auch über teilstationäre und sonstige Hilfen, wie beispielsweise die Begleitung und Betreuung im Alltag in der Häuslichkeit nachgedacht werden. Die geschlossene Unterbringung sei nämlich kein Allheilmittel und dürfe wegen des Fachkräftemangels nicht leichtfertig anderen, weniger einschneidenden Maßnahmen vorgezogen werden, so Horn weiter.
Auch das Wohnen in ambulant betreuten Wohngemeinschaften sollte nach Ansicht der UNABHÄNGIGEN dabei unbedingt im Blick behalten werden. In Schwerin gibt es davon derzeit vier Einrichtungen mit insgesamt 63 Plätzen. „Die Träger der Wohngemeinschaften mussten sich seit Inkrafttretens des Bundesteilhabegesetzes und der damit verbundenen Trennung nach Betreuungs-, Pflege- und Unterkunftskostensätzen neu konzeptionieren. Dies hat gegenwärtig zur Folge, dass keine Personen mehr aufgenommen werden; teilstationäre Wohnformen schließen sogar gänzlich. Ein alarmierender Zustand, der so nicht hinnehmbar ist. Oberbürgermeister Badenschier muss hier stärker gegensteuern und auch hierbei nicht lediglich auf eine noch fortzuschreibende Pflegesozialplanung hinweisen. Das hilft weder den Betroffenen noch deren Angehörigen, die händeringend nach Plätzen suchen. Auch Kooperationen mit den Landkreisen von Schwerin sind für uns ein denkbarer Lösungsansatz“, sagte UB-Stadtvertreterin Dr. Sabine Bank.



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